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urlpoint  Nordfriiskinstituut
































Der neue Newsletter des Nordfriiskinstituuts

en koon friisk ~ en kan friisk ~ en kon friisk ~ en kuon friisk

Der Newsletter des Nordfriisk Instituut zur friesischen Sprache, Geschichte und Kultur

Gud’n Dach liiwe Lid’n,
in der 13. Ausgabe unseres Newsletters en koon friisk vom Juni 2005 geht es um Ebbe und Flut in Redewendungen. Anschließend
wird die Frage geklärt, warum manchmal „fangen“ und „bekommen“ zusammenfallen, und zu guter Letzt stellen wir das Programm
des 15. Nord­friesischen Sommer-Instituts vor.

1. jest kop ~ iarst kop ~ iaars kop ~ iirst kop ~ jarst kop ~ eerst kop

sölr. Eeb en Flör; fer.-öömr. eeb an flud, wirh. eeb än fluid; moor. eeb än flödj; ngoosh. eeb än floud; halifr. biike

Ebbe und Flut sowie das Watt spielen in Nordfriesland nicht nur im Alltag, sondern auch in der Sprache eine wichtige Rolle. Die
Erkenntnis moor. eeb än flödj täiwe aw niimen [Ebbe und Flut warten auf niemanden] werden einige schon am eigenen Leibe erfahren
haben. Aber auch die Aussage fer. diar san muar lidj uun a budel dreenket üüs uun’t heef [es sind mehr Menschen in der Flasche
als im Watt ertrunken] hat seine Berechtigung.

Ebbe und Flut werden aber auch gerne zu Vergleichen herangezogen. So steht man nicht da wie ein begossener Pudel, sondern wie
fer. en befludet schep [ein Schaf, das von der Flut überrascht wurde].

Wenn jemand unbeständig ist dann fer. leet hi ham driiw mä eeb an flud [lässt er sich treiben mit Ebbe und Flut]. Hat derjenige
darüber hinaus auch keinen Pfennig auf der Naht, so ist fer. hooleeb uun san jilpung [Hohlebbe in seinem Geldbeutel].

Auch eine Sturmflut gibt es nicht nur an der Küste, sondern auch im Haus, denn wenn man sagt wirh. dir äs en stoormfluid, än jä
stuine oont woar äp to e hals [da ist eine Sturmflut, und sie stehen im Wasser bis zum Hals], meint man, dass es dort einen
gehörigen Streit gibt.

Das friesische Wort wirh. hjif bedeutet nicht nur Watt, sondern auch Meer, und dieses kann allerlei Geräusche machen so wie et hjif
bruult, süset, gnoret, kooget [das Meer brüllt zischt, knurrt, kocht]. Und wenn Dinge nicht so sehr eilen, dann läuft nicht „noch viel
Wasser den Rhein hinunter“, sondern moor. deer låpt nuch foole wååder tu heefs [es läuft noch viel Wasser ins Wattenmeer].

2. taust kop ~ naist kop ~ tweet kop ~ uur kop ~ tweerd kop ~ tweed kop

Aller Anfang ist schwer

Es kommt immer wieder vor, dass gewisse Merkmale eines Wortes auf ein anderes, ähnliches Wort übertragen werden. Eine solche
Übertragung, auch Analogie genannt, kann auf allen sprachlichen Ebenen stattfinden. So ist es beispielsweise kein seltenes
Phänomen, dass ein starkes (unregelmäßiges) Verb im Laufe der Zeit zur schwachen (regelmäßigen) Beugung übergeht. Die meisten
kennen vielleicht noch die deutsche Präsensform „bäckt“ (heute: „backt“) und das Präteritum „buk“ (heute: „backte“). Auch in einigen
festlandsfriesischen Dialekten ist dieses Verb überwiegend schwach geworden.

Heute soll auf eine Analogie aufmerksam gemacht werden, die auf den ersten Blick seltsam erscheint. Im Mooringer Friesisch gibt
es das schwache Verb fånge, fångt, fångd, fångd (fangen). Anstatt fångd hört man aber immer öfter die Form füng, besonders in der
Zusammensetzung mit önj, also ik füng önj anstatt ik fångd önj. Das erste würde in der wörtlichen Übersetzung lauten „ich bekam
an“, das zweite heißt „ich fing an“. Warum wählen einige hier also eine Form, die von der Bedeutung her keinen Sinn ergibt? Nun, hier
handelt es sich – wie so oft – um eine Analogie aus dem Deutschen. Das deutsche Verb „fangen“ wird nämlich nicht schwach
gebeugt wie im Friesischen, sondern stark und lautet „fangen, fängt, fing, gefangen“. Die deutsche Vergangenheitsform „fing“ ähnelt
dem moor. füng, das eigentlich von füünj (bekommen) stammt, offenbar so sehr, dass es unbewusst zu einer Übertragung von „fing“
auf füng kommt. Ouers wat schan we duch önjfånge ma „önjfüng“? Lätj üs mån liiwer önjfånge än gung tubääg tu „önjfångd“!

3. trer kop ~ traad kop ~ treed kop ~ der kop ~ treerd kop

Im Folgenden möchten wir gerne das Programm des 15. Nordfriesischen Sommer-Instituts vorstellen.


Vortragsreihe im Nordfriisk Instituut 2005

Mittwoch 29. Juni 2005, 19.30 Uhr

Prof. Dr. Thomas Steensen, Nordfriisk Instituut, Bredstedt:

Hans Christian Andersen

und Nordfriesland

– Mit Lesungen von Antje Arfsten, Harry Kunz, Adeline Petersen

Fiete Pingel, Christina Tadsen –

– Unterstützt von der Spar- und Leihkasse zu Bredstedt AG –

Mittwoch 13. Juli 2005, 19.30 Uhr

Dr. Astrid Fick, Nordfriesisches Museum Nissenhaus, Husum:

Albert Johannsen und Ingwer Paulsen

Zwei nordfriesische Kunstmaler im 20. Jahrhundert

Mittwoch 27. Juli 2005, 19.30 Uhr

Dr. Uwe Carstens, Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft, Kiel:

Friese und Weltbürger

Ferdinand Tönnies zum 150. Geburtstag

Mittwoch 10. August 2005, 19.30 Uhr

Dr. Gerd Eversberg, Theodor-Storm-Gesellschaft, Husum:

Rungholt in Sage und Dichtung

Wie ein Mythos entsteht und in den Köpfen fortwirkt

Mittwoch 24. August 2005, 19.30 Uhr

Dr. Sebastian Lehmann, Kiel:

Führer in der Provinz

Die NSDAP-Kreisleiter Nordfrieslands als Machtelite

Sonnabend, 3. September 2005

40 Jahre Nordfriisk Instituut – eine Zeitreise

Vormittags: Offene Türen im Nordfriisk Instituut

Nachmittags: Festversammlung (besondere Einladung)

Abkürzungen:

sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)

fe.-öö. = Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)

hal. = Halunder (Helgoländer Friesisch)

wirh. = Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)

moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)

ngoosh. = Noordergooshiirder fräisch (Nordergoesharder Friesisch)

halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)

Redaktion dieser Ausgabe: Antje Arfsten, Adeline Petersen