Das Ende des Krieges – der Anfang des Friedens: Nordfriesland 1945
Das Miteinander von Flüchtlingen und Einheimischen brachte erhebliche Konflikte mit sich. Dies betonte
Regionalkundler Sönnich Volquardsen, Tetenbüll, in seinem Beitrag zur Tagung „Nordfriesland 1945. Das Ende des Krieges – der Anfang des Friedens“, zu der die von ihm geleitete Arbeitsgruppe des Nordfriisk Instituut für Geschichte nach Bredstedt eingeladen hatte.
Die vielfach problematische Situation habe sich letztlich erst durch den Wirtschaftsaufschwung in den 1950er
Jahren entspannt. Der Heimatbund Landschaft Eiderstedt habe Erzählungen über diese Zeit gesammelt, so Volquardsen.
Die Bevölkerung der Stadt Husum lebte in den letzten Kriegswochen in Angst vor Bombenangriffen, die dem Husumer Flugplatz
galten, aber auch Zivilhäuser trafen, und vor den Plänen der NS-Führung, die Stadt „bis zum letzten Mann“ zu verteidigen. Diese
Gefühlslage wurde nach dem Einmarsch der Briten am 5. Mai von den Nöten des Alltags abgelöst. Das arbeitete der Mildstedter
Historiker Dr. Christian Martin Sörensen in seinem Referat „Das Ende des Krieges in und um Husum“ heraus. Die Freude über
das Ende des Krieges leitete über zu den von den Briten nachhaltig geförderten Neuanfängen des gesellschaftlichen und politischen
Lebens.
Der aus Koldenbüttel stammende Journalist und Heimatkundler Holger Piening schilderte die Zeit der Halbinsel Eiderstedt als
Wehrmachts-Internierungslager. Die Briten wagten mit der Einrichtung mehrerer vom deutschen Militär selbst verwalteten
Internierungsräume ein einmaliges Experiment im Umgang mit Kriegsgefangenen. Das Ergebnis, so Piening, war ein geregelter
Ablauf, der zur raschen Entlassung von Hunderttausenden deutscher Soldaten führte. Die Internierten fanden zahlreiche Lösungen
für ihre Probleme von der Beschaffung von Nahrung und Kleidung bis hin zur Einrichtung einer provisorischen Oberschule.
In den meisten Ortschroniken spielt die Kriegs- und Nachkriegszeit eine wichtige Rolle, so Fiete Pingel vom Nordfriisk Instituut in
seinem abschließenden Literaturbericht. Den einzigen Überblick biete der von Prof. Dr. Thomas Steensen verfasste Text zu dieser
Phase in der „Geschichte Nordfrieslands“. Wissenschaftliche Darstellungen gebe es zu verschiedenen Komplexen, wie etwa zum
Schicksal der Zwangsarbeitenden oder zum Flüchtlingsgeschehen. Es bleibe aber noch viel Forschung zu tun, so etwa im Bereich
der Entnazifizierung.